
Männer erleben üblicherweise ab dem Alter von etwa 30 Jahren ein Abfallen der Intensität ihrer sexuellen Bedürfnisse, spätestens ab 50 Jahren auch ihrer sexuellen Leistungsfähigkeit. Dies sind ganz normale körperliche Prozesse, die durch verschiedenste Faktoren (Umwelt, Psyche, Gene, körperl. Defekte,..) verursacht werden, aber auch schon wesentlich früher auftreten können. Aufgrund der möglichen organischen Ursachen istals erster Schritt eine ärztliche Abklärung beim Urologen bzw. Andrologen fast in allen Fällen anzuraten.
Auch bei rein physiologischen Ursachen aber kann eine Sexualberatung unterstützen und häufig sogar die Symptomatik lindern, da die psychischen Auswirkungen des Problems dieses häufig zusätzlich verstärken.
Bei Frauen finden sich verhältnismäßig selten körperliche Ursachen für Sexualstörungen - abgesehen von Schmerzen beim Sex oder sonstigen unübersehbar organischen Symptomen.
Experten sind sich heute einig, dass bei den meisten sexuellen Störungen zwar organische Auffälligkeiten ausgemacht werden können, für diese aber in der überwiegenden Anzahl der Fälle psychische Ursachen zumindest mitverantwortlich sind. Diese Ursachen sind vielgestaltig: Häufig äußern sie sich in Leistungsdruck oder dem Gefühl, bestimmten Erwartungshaltungen oder Normen entsprechen zu müssen - viele Menschen haben verlernt, auf ihre eigenen Bedürfnisse zu hören oder nehmen diese nicht ernst genug. Besonders Männer haben häufig ein geradezu peinigendes Bedürfnis, dass im Bett alles "funktioniert"; so greifen immer mehr von ihnen selbst schon in einem Alter von unter 45 Jahren wiederholt zu erektionsfördernden Arzneimitteln wie Viagra oder Cialis, wodurch sich häufig nach einigen Jahren des Arzneimittelgebrauchs auch noch eine zumindest psychologische Abhängigkeit von deren Einnahme entwickelt.
Bei Frauen wiederum sind es häufig Schwierigkeiten rund um allgemeine sexuelle Lustlosigkeit oder sexuelle Höhepunkte zu erreichen, unter denen sie mitunter sogar Jahrzehnte leiden - weil sie das Problem lange nicht wichtig genug nehmen oder aus Hemmung, sich diesbezüglich selbst professionellen Beratern zu öffnen.
Wenn Konflikte in der Partnerschaft existieren, bleibt das früher oder später nicht ohne Auswirkung auf das Sexualleben des Paares. Es müssen aber gar keine akuten Konflikte vorliegen - auch ungelöste Probleme, unterschiedliche Auffassungen über die gemeinsame Sexualität (Frequenz, Spielarten, Bedürfnisse) können zu sexuellen Problemen bei einem oder beiden Partnern führen, oder wenn über Sexualität nicht oder nur begrenzt gesprochen werden kann. Hier kann gemeinsame Sexualberatung gewissermaßen ein "Forum" dafür darstellen, dass unter professioneller Begleitung und Moderation die schwierigen Themen besprochen und Probleme gelöst werden können.
Konsultieren Sie bei Verdacht auf eine der hier beschriebenen Ursachen stets einen Facharzt Ihres Vertrauens. Ratgeber, in welcher Form auch immer, können Ihnen lediglich als erste Informationsquelle dienen. Die für Ihr Problem geeignete Therapieform legen Sie bitte gemeinsam mit Ihrem Arzt fest! Bestehen Sie aber darauf, dass Sie ergänzend zu jeder medikamentösen Therapie auch sexualtherapeutisch von einem entsprechenden Spezialisten parallel behandelt werden.